Ortshandwerkerschaft-Seite 23 - Norderney - Chronik einer Insel

Insel Norderney
53° 42' 26" N 7° 9' 22" E
Norderney - Chronik einer Insel
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100 Jahre Ortshandwerkerschaft Norderney - Seite 23

Von der Fortbildungsschule zur Berufsschule

Bereits 1887 wurde der Wunsch an die Gemeinde herangetragen, auf Norderney eine gewerbliche Fortbildungsschule zu gründen. lm Februar des Jahres beschloß der Schulvorstand, "daß, wenn die Gemeindebehörde die Angelegenheit in die Hand nimmt und dadurch für die nöthige Ordnung Garantie geboten wird, Schulvorstand nicht abgeneigt sei, ein Local für diesen Unterricht zu überlassen". Am 12. Januar 1889 erfolgte der endgültige Beschluß zur Einrichtung der Fortbildungsschule, die neben den Handwerkslehrlingen auch von Kaufmannsgehilfen besucht werden sollte. Im Juni eröffnete auch die von Fischer Claasen geleitete Fischerklasse. Untergebracht wurde die Schule in dem von Bauunternehmer Middelborg 1889 errichteten neuen Schulgebäude (heute Rathaus-Parkplatz), in dem sich auch der Klassenraum der Mittelschüler befand. Die Schüler wurden teils von den Lehrern der Volks- und Mittelschule unterrichtet, teils von Handwerksmeistern, wie u.a. vom Bauunternehmer Speer.

Zum Schulbesuch verpflichtet, waren "...alle im gedachten Bezirke sich regelmäßig aufhaltenden gewerblichen Arbeiter (Gesellen, Gehilfen, Lehrlinge), welche das 18. Lebensjahr noch nicht vollendet haben". Ebenso konnten gewerbliche Arbeiter älter als 18 Jahre und Kaufmanns-Lehrlinge bei ausreichendem Platz aufgenommen werden. Neben einem Ortsstatut wurde auch eine "Polizeiverordnung" erlassen, nach der unentschuldigtes fehlen vom Unterricht, Zuwiderhandlungen gegen die Schulordnung und "ungebührliches Betragen" mit einer Geldstrafe von 9 Mark belegt wurde. Die gleiche Strafe mußten Eltern bezahlen; die ihre Söhne oder Mädchen von dem Besuch der Fortbildungsschule abhielten. In das 1900 fertiggestellte "Central-Schulgebäude" zog die Gewerbeschule mit ein.

Auf dem Stundenplan der gewerblichen Klasse der Fortbildungsschule, nach 1920 als Berufsschule bezeichnet, standen Schriftverkehr, Buchführung, Rechnen und Raumlehre (Geometrie), die von den Lehrern Wehlauten und Müller sowie von Konrektor Janssen erteilt wurden. Fachkunde, Fachrechnen und Fachzeichnen unterrichtete der Bautechniker Extra, die Malerlehrlinge unterrichtete Malermeister F. Pauls und die übrigen Berufe der Lehrer Rösemann.

Im Jahre 1950 begann der Ausbau der ehemaligen Luftwaffenkaserne an der Mühle zu Wohnungen. In Block 8 wurde die Berufsschule eingerichtet, ebenso eine Hauswirtschaftsschule. Letztere wurde zumeist von Hausangestellten und Praktikantinnen der Norderneyer Kinder- und Erholungsheime besucht. Leiter der Berufsschule war Herr Kattentidt. 1963 besuchten neben ihrer Ausbildrmg in den Betrieben ca. 200 Schüler die Berufsschule, je ein Drittel Schüler des Handwerks, Handels und der Hauswirtschaft. Die 14 Klassen wurden von vier hauptamtlichen und zwei nebenberuflichen Lehrern unterrichtet. Friseure, Maler, Bäcker, Verwaltungslehrlinge besuchten bereits seit Jahren die Berufsschule in Norden.

Bereits Mitte der 50er Jahre wurde die Schließung der Berufsschule erwogen. Wirtschaftliche Überlegungen und der Trend, Auszubildende der einzelnen Gewerbegruppen in spezialisierte Fachklassen zu schicken, besonders aber auch der Weggang einzelner Lehrer, führten letztlich dazu, dass zum 1. April 1972 die hiesige Berufsschule schließen mußte.
Chronik der Insel - Ortshandwerker (Seite 23)
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