Das Jahr 2011 (Uhrenturm) - Norderney - Chronik einer Insel

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Insel/Stadt | Chronik | 2011 | Uhrenturm der Grundschule
26.10.2011 - Bericht Norderneyer Badezeitung
600 Kilo Kupfer für die Kuppel
Bonno Eberhardt sen. hat die Geschichte des Turms aufgeschrieben

Der Uhrenturm der Grundschule wird mit Metall versehen.

Heinrich Meyer von der Metallbedachungsfirma Bagge in Barnstorf und Michael Conrads von der Dachdeckerfirma Karl Süßen aus dem Südbrookmerland haben gestern damit begonnen, die Kuppel des Uhrenturms der Grundschule mit Kupfer abzudecken. Die Arbeit wurde dadurch einfacher, dass die Kuppel noch auf dem Boden steht. Viele Spaziergänger blieben stehen und guckten zu.

Zuvor hatten Meyer und Conrads das alte, mit Patina überzogene und inzwischen dünn gewordene Kupfer abgezogen. Es sei ihnen schon fast entgegengekommen, schilderten sie. Die Bitumenbahnen, die den hölzernen Korpus des Turms abdecken, haben sie belassen. Darauf werden die neuen glänzenden Kupfertafeln genagelt. Das Metall wurde auf Rollen angeliefert und wird vor Ort zugeschnitten und gebogen. Wie lange sie dafür brauchen, konnten die beiden Handwerker gestern noch nicht sagen. Im Handwerk sei es immer schwer einzuschätzen, sagte Heinrich Meyer: "Es dauert, bis wir fertig sind."

Vor 51 fahren haben Norderneyer die gleiche Arbeit verrichtet. Bonno Eberhardt sen. hat die Geschichte des Uhrenturms recherchiert und aufgeschrieben:

Im Jahr 1959 wurden das Dach und die dazugehörigen Klempnerarbeiten der Volksschule komplett erneuert. Der damalige Stadtbaumeister Gustav Carsten und Bauamtsmitarbeiter Hermann Extra hatten die Pläne für eine Generalsanierung des Daches ausgearbeitet und ausgeschrieben. An der Ausschreibung beteiligten sich sieben Norderneyer Klempnerbetriebe und fünf Bauunternehmungen. Den Zuschlag für das Pfannendach erhielt die Baufirma Jakob Extra und für die Klempnerarbeiten die Firma Kurt Mietzner.

Der einzige heute noch lebende Zeitzeuge Garmer Hoppe, damals im dritten Lehrjahr bei der Firma Mietzner, kann sich noch gut an die damalige Arbeitsweise erinnern. Allein das Gerüst zu bauen, war schon eine Handwerkskunst für sich. Gerüstbäume wurden übereinander aufgeschäftet und die Querbalken von Stahlgerüststricks gehalten, darüber wurden die Gerüstbretter verlegt. Das war schon eine wackelige Angelegenheit.

Den Holzturm hatte der Zimmermann Theo (Kaim) Wedermann mit einem Gehilfen repariert und verfaulte Holzteile erneuert. Meister Kurt Mietzner hatte von seinem Vater das Geschäft in der Maibachstraße an der Ecke Winterstraße übernommen. Das Bearbeiten von Blechen musste ihm wohl angeboren sein. Später hat er die berühmten ostfriesischen Teestövchen in Handarbeit hergestellt.

Stadtbaumeister Gustav Garsten hatte viel Vertrauen in Meister Mietzner und gab ihm den Auftrag, den Turm in Stundenlohnarbeit neu mit Kupferblech einzufassen. Mietzner bestellte bei Detering in Emden eine Rolle Weich-Kupferblech in 50 Zentimeter Breite und mit einer Blechstärke von 0,4 Millimetern. Schmiedemeister Herbert Bodenstab stellte aus Flacheisen die Schablonen für die Rundungen her.

Jedes einzelne Blechteil musste von Hand nach der Schablone ausgeschweift und gekantet werden. Dann wurde das fertige Teil auf dem Turm angebracht, das nächste wurde ausgemessen und in der Werkstatt hergestellt. Dieser Vorgang wiederholte sich solange, bis der Turm ganz mit Kupferblech eingefasst war.

Nachdem alles fertig war, sagte Meister Mietzner zu dem Stadtbaumeister: "Herr Carsten, irgendwie sieht das Ganze an der Spitze kahl aus. Da muss noch eine Windfahne drauf." Er kannte einen, der das konnte. Der Stadtbaumeister war nicht abgeneigt und beide gingen zu dem Spengler Martin Biehl in der Ellernstraße und besprachen die Angelegenheit.

Biehl erstellte eine Segeschiffzeichnung. Sie fand im Bauamt sofort Anklang, und Martin Biehl bekam den Auftrag, das Schiff aus zwei Hälften anzufertigen. Damit das fertige Schiff die nötige Schwere bekam, wurde der Hohlraum im Schiffsboden mit Blei ausgegossen. Das nächste Problem war die Befestigung. Damals war es schwer, an ein geeignetes Kugellager ranzukommen. Schmiedemeister Bodenstab wusste, dass ein Norderneyer bei der Auflösung der Fliegerhorstwerft die Kugellager übernommen hatte. Somit war auch dieses Problem gelöst und Bodenstab durfte dafür die Windrose mit den vier Himmelsrichtungen anfertigen.

Im Nachhinein muss man sagen: Es war eine solide Norderneyer Handwerksarbeit, wobei sich mehrere Meisterkollegen gegenseitig halfen. Immerhin hat das Ganze 51 Jahre gehalten. Und wenn die Unterkonstruktion des Turmes nicht abgängig geworden wäre, würde der Kupferturm sicher noch weitere 50 Jahre bestehen.

Hoffen wir, dass der Neue genau so schön wird, wie es der Alte war.

Download Bericht am 26.10.2011
Chronik der Insel (Uhrenturm) - Das Jahr 2011
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