Die Insel Norderney

Norderney Flagge der Insel
53° 42' 26" N 7° 8' 49
Chronik einer Insel

 

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Norderney Kurier (Serie erschien vom 27.10.2017 - 23.11.2018)

Vom Hotel zum Kino und zum Kinderheim

Das Glück der Hotellerie auf der Insel war nur von kurzer Dauer. 1914 brach der Erste Weltkrieg aus. Die Gäste blieben weg, und der Traum von dem schönen "Reichshallen-Hotel" war ausgeträumt. Das Schicksal wollte es anders. Wilhelm Bruns hatte aber noch einen Wohnsitz in Norden, dort begann Ende des 19. Jahrhunderts die "Hotel-Dynastie Bruns". Viele größere Hotels auf Norderney hatten das gleiche Schicksal zu tragen. Jetzt begann der Kampf ums Überleben. Um sich zunächst über Wasser zu halten, baute Bruns den ersten Stock seines Hotels zu einem Kino um - das erste Kino auf der Insel Norderney.

Nun hatten die Norderneyer etwas Neues. Jede Woche gab es ein Programm. Jan-Eiben Kluins Frau Lina war richtig süchtig und musste jedes Kinostück sehen. Und sie drängelte immer wieder: "Geh doch auch mal mit ins Kino, Jan! Dann kommst du mal auf andere Gedanken!" Zuletzt bekam sie ihn so weit, dass er wahrhaftig mitging. Nachher hat es ihr leidgetan, dass sie mit Jan ins Kino gegangen ist. Warum das? Nun, das war so: In der Mitte des Films liegen sich die beiden Hauptdarsteller in den Armen, was den Besuchern gut gefiel. Es war auch ganz still im Saal. Bloß Jan gefiel das überhaupt nicht. Er wippte auf seinem Stuhl hin und her, wurde ganz ungeduldig, sprang auf einmal auf und rief: "Lina, gib mir den Haustürschlüssel! Ich mag das Küssen der beiden nicht mehr sehen!" Alle Leute guckten Jan an und seine Frau rief: "Ruhe!" Lina schämte sich für ihren Mann. Jan griff die Haustürschlüssel und zog ab. Er ist nie wieder in ein Kino gegangen.

Wilhelm und Luise Bruns hatten jetzt andere Sorgen. Das Hotel hatte große Eigenkosten und brachte nichts ein. Als nach dem Ersten Weltkrieg auch noch die Inflationszeit kam, war überhaupt nichts mehr zu verdienen. Für die Bruns war es sehr schwer, ihren Verpflichtungen nachzukommen. Zuletzt ging es nicht mehr. Um nicht in Insolvenz zu gehen, haben sie ihr schönes "Reichshallen-Hotel" für 800.000 Reichsmark an zwei Makler verkauft. Die haben aber nach vier Monaten, ohne das Geschäft weiterzubetreiben, für 1,2 Millionen Mark an die drei Herren Müller, Sass und Rose weiterverkauft. Nun wurde aus dem schönen Hotel ein Tanzpalast mit dem Namen "Arcadia".

Auch auf Norderney wurde in den Zwanzigerjahren nach der Inflationszeit die moderne Lebensart aus den Großstädten von den Kurgästen eingeführt. Der Bedarf an Unterhaltung war zunächst da, doch nicht lange. Die drei Eigentümer sahen nun, dass der Tanzbetrieb nicht gut lief und verkauften den Tanzpalast an den Makler Moses van der Wall. Er verwandelte das Hotel in ein Sozialheim für Männer, und so standen plötzlich Männer mit Hosenträgern und Pantoffeln vor der Haustür in der Strandstraße.

Das Männer-Sozialheim existierte aber nur eine kurze Zeit. Um 1935 wurde es zu einem Kinderheim mit Namen "Upstalsboom" umgebaut. Im Zweiten Weltkrieg war dort eine Ausbildungsstätte für den Zollgrenzschutz untergebracht. Heute ist an dieser Stelle die Filiale der Oldenburgischen Landesbank beheimatet. Vom damaligen Bau aus dem Jahr 1894 blieben der Treppenaufgang im Haus von der Lohnen-Seite aus erhalten und auch die Fassade in der Strandstraße. Wilhelm und Luise Bruns sind nach dem Verkauf ihres Hotels nach Miltzow in Vorpommern gezogen und haben dort viele Jahre ein See-Hotel betrieben.

Restaurant des Reichshallen-Hotels
Das Restaurant des Reichshallen-Hotels (oben) und die Außenansicht zur Strandstraße (unten). Bis heute erhalten sind die Fassade und die Bausubstanz von 1894.
Außenansicht zur Strandstraße

 

Motiv-Wagen im Jahr 1926
Das Foto aus dem Archiv von Bäckermeister Heero Jacobs zeigt einen Motiv-Wagen im Jahr 1926 auf der Kaiserstraße. Damit wirbt die Kölner Karnevalsgesellschaft "Zuppegröns" für eine im Sommer stattfindende Veranstaltung mit zwei Kapellen im Tanzpalast "Arcadia".

Jan Visser
Jan Visser (205) war ein großer Mann und stammte aus der weitverzweigten Familie Visser, die damals in der Heringslohne eines der ältesten kleinen Häuser der Insel bewohnte. Visser ist in den letzten Tagen des Zweiten Weltkrieges in Österreich gefallen.

Johann Carstens (204, links) mit Hans Ulrichs (Mitte, Vater des heutigen Bürgermeisters Frank Ulrichs) und Georg Itzen
Johann Carstens (204, links) mit Hans Ulrichs (Mitte, Vater des heutigen Bürgermeisters Frank Ulrichs) und Georg Itzen bei einer Richtfestfeier. Sie waren bei der Baufirma Pleines & Co. beschäftigt. Zu der Zeit waren Schnaps und Bier nicht mehr in Mode, der "Corvi" wurde mit Wasser getrunken. Bei den Rauchern war eine gute Zigarre ein Muss.

Reiner Bartmann
Reiner Bartmann (203) mit einer Schwimmgruppe 1984. Den Bademeistern, die weiß gekleidet waren, zollte man Respekt. Damals wurden von der Schule aus die Freischwimmer- und Fahrtenschwimmer-Prüfungen abglegt. Sauberkeit in und um das große Becken war oberstes Gebot. Die alte Wellenmaschine, mit der damals große Wellen erzeugt wurden, steht heute als Museumsstück vor dem Bademuseum im Argonnerwäldchen.

Susanne Visser
Susanne Visser (206), geb. Weingart war Schneiderin. Sie besuchte öfter ihren Mann(205) auf dem Depot. Wenn die Kollegen sagten: "Da kommt deine Frau", sagte er: "Das ist mein Sonnenschein." Nach dem Krieg zog sie ihre drei Söhne allein groß und hat nie geklagt. Sohn Fritz (bekannt als Wirt der Klause) lebt heute in der Ellernstraße. Er hat die Fröhlichkeit seiner Mutter geerbt.

Ulfert Ungewuschen (201)
Ulfert Janssen, Tollestraße 4,war Arbeiter.Janssen hatte eine sehr dunkle Hautfarbe und auf dem Kopf Krullerhaar (krauses Haar). Wegen seines Aussehens bekam er von seinem Mitbewohner den Beinamen "Ulfert Ungewuschen", obwohl er an sich sehr sauber war.

Teddy Bauch (202)
Paul Bartelt, Benekestraße 19, war Lehrer an der Volksschule. Von Statur her war er ein kleiner Mensch mit einem Bauchansatz. Lehrer Bartelt kam 1945 als Flüchtling nach Norderney. Sein Spezialfach war Rechnen. Seinen Namen bekam er von einer Schülerin, die er mit: "Hallo, kleine Dicke, steh bitte auf", ansprach. Daraufhin erwiderte das Mädchen: "Wenn ich die Dicke bin, sind Sie Teddy Bauch" - und alle Schüler in der Klasse klatschten. So hatte er seinen Beinamen weg.

Tade Beckenrand (203)
Reiner Bartmann, Jann-Berghaus-Straße 10, war Schwimmmeister im Wellenbad. Während seiner Arbeitszeit im alten Wellenbad lief er, wenn die Wellenmaschine in Betrieb genommen wurde, immer am Beckenrand auf und ab und beaufsichtigte die Gäste, die sich im Schwimmbecken befanden. Seine Kollegen gaben ihm den Beinamen "Tade Beckenrand" - Tade nach seinem Großvater Tade Carls.

Stiekel (204)
Johann Carstens, Südhoffstraße 19, bekam in der Schule von einem Mitschüler diesen Namen. Früher trugen die Jungen fast alle einen Pony-Haarschnitt. Nachdem er seine Haare hatte schneiden lassen, streifte ihm ein Mitschüler von hinten mit der Hand über seinen Kopf und sagte: "Wat sünd de stiekelig." (Was sind die stachelig.) Auch heute noch im hohen Alter wird er mit Stiekel angeredet.

Jann Wekenenn (205)
Jann Visser, Jann-Berghausstraße 1 (früher Hindenburgstraße), war Arbeiter auf dem Artillerie-Depot. Visser war von der Belegschaft für alle Arbeitnehmerfragen in der damaligen Zeit zuständig und setzte sich für seine Kollegen für ein freies Wochenende ein. Daraufhin gaben ihm seine Kollegen den Beinamen Jann Wekenenn (Wochenende).

Susi Sonnenschein (206)
Susanne Visser, Frau von Jann Visser (205), war eine fröhliche und zierliche Frau. Sie strahlte Herzlichkeit aus und die Norderneyer sagten: "Kiek, door kummt Susi Sonnenschein." (Guck, da kommt Susi Sonnenschein.)


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