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Seite 11

30.06.2018 - 150 Jahre Norderneyer Badezeitung

Jubiläumsfeier 1936: 25 Jahre in der Langestraße 6

Seit 25 Jahren existierte die Norderneyer Badezeitung nunmehr am Standort in der Langestraße 6. Dieses Jubiläum wurde stolz mit zwei bebilderten Sonderseiten in der Ausgabe vom 1. April 1936 verkündet.

Die Titelseite zierten die Fotos des Gründers Diedrich Soltau und die des Inhabers der Buchdruckerei in Norden sowie der Soltauschen Buchdruckerei Norderney, dem Verleger Otto. G. Soltau. Mittig präsentierte sich das Geschäfts- und Druckereigebäude Langestraße 6 mit dem zusätzlich angebauten flachen Druckereigebäude an der Fischerstraße.

Man erinnerte an die schwierigen Inflationsjahre, "um die schlimmsten Jahre herauszugreifen" und zeigte sich zugleich optimistisch: "Die Badezeitung ist in den 65 Jahren ihres Bestehens aber nicht altersschwach geworden. Im Gegenteil, sie fühlt sich heute stärker denn je zuvor, will sie doch von heute ab ihren Kreislauf verdoppeln, und statt dreimal wöchentlich sechsmal wöchentlich erscheinen."

KdF-Überfahrt mit der Frisia IV (KdF = Kraft durch Freude).

KdF-Überfahrt mit der Frisia IV (KdF = Kraft durch Freude).

Die Geschäftsleitung verband diese Ankündigung mit dem Wunsch, dass sich doch weitere Leser zu einem Abonnement veranlasst sehen möchten. Optimistisch stimmte diesbezüglich die Geschäftsführung auch, dass die Zahl "bedingt durch den Ausbau der Insel als Standort der Luftwaffe" noch steigen werde. Doch in erster Linie wende man sich an die alten Leser unter dem Motto: "Bleibt der Heimat treu, lest die Badezeitung!"

Zitat: "Das im Dritten Reich geprägte Wort Schönheit der Arbeit kann hier mit Recht angewendet werden. Sorgt in dieser Weise die Ausgestaltung der Arbeitsräume dafür, dass die Jünger der Schwarzen Kunst auch Freude an der Arbeit haben, so ergibt sich aus dieser Schaffensfreude naturgemäß das harmonische Verhältnis zwischen der Gefolgschaftsführung und der Gefolgschaft."

"Judenfeindliche Kundgebungen im Reich" (10. November 1938).

"Judenfeindliche Kundgebungen im Reich" (10. November 1938).

Es folgten ehrende Worte für langjährige Mitarbeiter: "Seit dem Jahre 1902 steht Herr Hermann Heykamp der hiesigen Firma Soltausche Buchdruckerei, Verlag der Badezeitung, als Geschäftsführer und Schriftleiter vor. Von dem technischen Personal sind Herr Paul Ufen 47 Jahre, Herr Jan Janssen 25 Jahre, Herr Theodor Schulz 17 Jahre im Betrieb tätig." Die während der Sommermonate benötigten Aushilfskräfte waren meistens alte Bekannte, die immer wieder gern zu ihrer Arbeitsstätte auf der Insel zurückkehrten. Das beste Zeichen verständnisvoller Zusammenarbeit.

Da es in der Natur der Sache liegt, dass die Geburtsstätte einer Zeitung der Masse der Bevölkerung ein unerforschtes Gebiet sei, wolle man den Werdegang einer Zeitung einmal darlegen. Zitat: "Vom Redaktionstisch gelangt der Stoff (fachmännisch ausgedrückt), der zur Füllung der Text- sowie Anzeigenspalten benötigt wird, in die Setzerei. Den Textteil bezieht die Zeitung zum größten Teil auf drahtlosem Wege durch das Deutsche Nachrichten-Büro, teils ergänzt sie denselben durch Eigenarbeit und durch Korrespondenzen. Damit aber noch nicht genug sorgen ständige Mitarbeiter für kurze oder längere Berichte und mündliche Mitteilungen, und nicht zuletzt hat das Ohr der Zeitung ein feines Gehör, um alle Begebenheiten, die für sie von Interesse sind, schnell aufzunehmen und stilgerecht zu formen. Während der Textteil der Zeitung im Hauptbuch auf der Ausgabenseite notiert wird, wird der Anzeigenteil, dessen Stoff von den Inserenten bezahlt werden muss, auf der Gegenseite verbucht. Zwei entgegengesetzte Pole.

In der Setzerei angekommen, wird das Material für den Textteil von den Maschinensetzern angenommen, die dieses ihren eisernen Kollegen diktieren. Die Anzeigenmanuskripte gelangen zum Handsetzer, der daraus die Anzeigen zusammenbaut.

Von dem fertigen Maschinen- und Anzeigensatz werden Abzüge gemacht, die der Korrektor auf Fehler durchliest. Hierbei geschieht es wohl (wir erkennen unsere Schwäche an), dass ein Fehler stehen bleibt. Findet dieser nun den Weg in die Öffentlichkeit, dann spricht man vom Druckfehlerteufel, obgleich er meist sehr harmlos ist.

Ist die Korrektur vollzogen, umbricht der Metteur den Satz zu Zeitungsseiten. Diese werden dann in die Maschine eingeschossen und zugerichtet, und dann ist die Form druckreif. Kurz nach dem Verlassen der Maschine bringen die Boten die Badezeitung von Haus zu Haus, wo auf ihr Kommen schon gewartet wird."

Eine wichtige Person durfte man nicht unerwähntlassen: Die langjährige Angestellte Erna Berg. "Auf hoher Welle werden uns die neuesten Nachrichten und Reden der Staatsmänner vermittelt. Durch den Kopfhörer vernimmt das geschulte Ohr die Stimme des Sprechers. Schon fliegen die Finger über die Tasten der Schreibmaschine, um das gesprochene Wort auf dem Paper festzuhalten. Empfang und Sendung zugleich. Stundenlang hören und zugleich tippen ist eine Spezialleistung, die alle Anerkennung verdient."

Und weiter: "Die Umstellung der Badezeitung vom damaligen zum sechsmal wöchentlichen Erscheinen brachte die Einstellung neuer Arbeitskräfte mit sich. So finden dadurch drei weitere Volksgenossen, die ihre Ausbildung bei der Firma Soltausche Buchdruckerei, Verlag der Badezeitung, erhielten, eine ständige Einreihung in den Produktionsprozess und dadurch Lohn und Brot. Wir handeln damit im Sinne unseres großen Führers Adolf Hitler, der das deutsche Volk und Vaterland aus tiefster Schmach und Elend einem neuen Aufstieg entgegenführte. Die Kraft, die von diesem Aufstieg ausstrahlt, macht sich auf der Insel besonders bemerkbar. Dankbar erkennen wir dieses an und blicken vertrauensvoll in die Zukunft. Es ist etwas Eigenartiges um eine kleine Zeitung, besonders dann, wenn ihre Geburtsstätte ein Insel ist. Sie ist im Durchschnitt viel begehrter als ihre großen Schwestern jenseits des Wassers. Ja, man erkennt Bekanntes und Verwandtes im Inselblatt und die anderen Einwohner."

Der Anzeigenteil, so glaubt es sicher die Schriftleitung zu wissen, werde zuerst vom weiblichen Leser unter die Lupe genommen. "Vielleicht hat sich ein guter Bekannter verlobt oder sogar verheiratet, vielleicht ist auch bei einer bekannten Familie Zuwachs gekommmen oder gar ein schwarzgerändertes Inserat zeigt den Tod eines lieben Mitmenschen an. Und ist nicht die Frau diejenige, die die meisten Einkäufe tätigt? Der kluge Geschäftsmann weiß dieses. Daher lautet die Empfehlung der Badezeitung: "Zeige an im Inselblatt, was du zu verkaufen hast. Die Ladenhüter wirst du los, und in der Kasse rollt das Moos." Schon damals wurde die Zeitung nicht nur auf der Insel verbreitet. Eine beträchtliche Zahl inselverbundener Auswärtsleser abonnierte sie und bekam sie wöchentlich zur Festlandsadresse geschickt.


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