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Seite 40

30.06.2018 - 150 Jahre Norderneyer Badezeitung

Zu Beginn des 21. Jahrhunderts wurde die alte Druckmaschine außer Dienst gestellt. Sie steht jetzt in Mainz.

Zu Beginn des 21. Jahrhunderts wurde die alte Druckmaschine außer Dienst gestellt. Sie steht jetzt in Mainz.

"Unglaublich: Tageszeitung im Bleisatz !"

Nachdem Jürgen Rochna im Jahre 2000 in Rente ging, waren als letzte Kämpfer an der technischen Front Maschinensetzer Alfred Gillberg und Gerd Kratzel. Und als mit dem Ende des Rotationsdrucks auf Norderney der Zeitungsdruck zu Ende ging, meldete sich der Fernsehjournalist Friedrich Bohnenkamp, der die Badezeitung anlässlich seines SWR-Dokumentarfilmes "Norderney" kennengelernt hatte. Die Eindrücke blieben ihm unvergesslich: "Ich war ganz aus dem Häuschen damals: Eine echte Rotation! Bleisatz. Das wundervoll langsame Entstehen einer Zeitung! Handwerk. Sorgfältigkeit. Mechanik. Geräusche. Die fehlende Hektik. Das war zwar auch Technik, doch so wunderbar anders als unsere hochmoderne (und ach so sensible Digitalkamera)."

Wunderbar, wie handgeschriebene Manuskripte sich durch Alfred Gilbergs Finger in richtige Buchstaben verwandelten, die sich mit ein wenig Rumoren, Poltern, Klingeln und Plingen zu ihrer eigenen Verblüffung als ganze Sätze wiederfanden.

Ich hätte stundenlang zusehen können.

Der Besuch in der Druckerei wird mir ebenfalls unvergesslich bleiben. Ich habe selten eine solche Virtuosität im Umgang mit einer Maschine erlebt wie dort, in diesem kleinen Raum. Gerd Kratzel wird mir als Maradonna unter den Druckern in Erinnerung bleiben.

Hier ein Kick mit der Hacke an einen Hebel, dort ein zarter Handkantenschlagauf einen Knopf, ein wohldosierter Tritt gegen einen eisernen Schalter und das alles natürlich mit mürrischem Blick ohne hinzusehen: Ein traumhaft sicherer Doppelpass zwischen Mensch und Maschine."

"Wenn ich mehr Zeit gehabt hätte, ich hätte sie noch gerne zwei Tage beobachtet, gedreht und dann - nur auf Musik - ein Drucker-Ballett geschnitten."

Ja, danach wurde es einsam in den Handwerkerräumen, in der es nur noch nach alter Druckerschwärze roch.

Die Neonröhren flackerten nur noch auf, wenn die Zeitungsbündel vom Festland kamen und darin von Kurt Kikel und Erika Möhlmann die Werbebeilagen einsortiert werden mussten. Kikel bündelte die rund 230 Versandstücke für die Post. Sie gingen an die Auswärtsleser wie Butennörderneer, interessierte Zweitwohnungsbesitzer und "offizielle Stellen und Leser" sowie Austauschexemplare für andere Zeitungen. Kikel lieferte sie gegenüber bei der Post an. Zuletzt nach Auflösung des Postbetriebes gegenüber mussten sie zu der Versandannahmestelle ins Gewerbegelände gefahren werden. Die Zeitungen für die Boten kamen in spezielle Fächer, die vom Rollenlager für die Boten zugängig waren. Währendessen brachte Erika Möhlmann Zeitungen zu den Zeitschriftenläden.

Die Medienvertreter, die über die Badezeitung schrieben, fanden aber auch bemerkenswert, was sich ab 11 Uhr im Eingangsbereich der Inselzeitung abspielte.

So schrieb der Redakteur der Grafschafte Nachrichten 2001: "Jeden Morgen um 11 Uhr wiederholt sich ein schon tradionelles Schauspiel.Viele alte treue Abonnenten holen sich ihr heißgeliebtes Blatt persönlich ab. Druckfrisch von der Geschäftsstellen-Theke. Und auf Norderney ist es noch üblich, dass die Leser mit ihrem Anliegen beim Redakteur direkt auf der Matte stehen."

Viele Leser warfen auch erst einmal einen kurzen Blick in die Zeitung. Dabei gab es ständig Kommentare zu aktuellen Themen, die der Redakteur im Büro hinter der rückwärtigen Sperrholzwand gut mithören konnte - wenn er wollte und nicht gerade in ein Thema vertieft war oder sich fest beim Schreiben neuer Nachrichten konzentrieren musste.

"Wie im Taubenschlag geht es dort ab 11 Uhr zu", stellte Nordwestzeitung- Redakteur Carl-Friedrich Ehlers 2003 erstaunt fest. "Wat gifft Nees?" Und über die Bedeutung der Zeitung befragt, bekam er von einem Insulaner die Antwort: "Ohne die Badezeitung kann ich nicht leben!" Das sagte Carl Hönnig (80), einer der ältesten Leser.

Der Redakteur der Oldenburgischen Volkszeitung war 2002 erstaunt, dass dieses Blatt noch sechs Leute ernährte: einen Setzer, einen Drucker, zwei in der Leserbetreuung und Anzeigenabrechnung und zwei Redakteure. "Man hat das Gefühl, in ein Museum zu kommen." Schon beim Betreten des Gebäudes - und schließlich der Technik - erklärte er: "Gillberg war der letzte verbliebene Setzer, der auch in der Druckerei helfen musste." Bis 2003 wurden von ihm noch täglich zwei Spalten in Blei gegossen. Mit 2.240 Exemplaren versorgte die Badezeitung um diese Zeit fast jeden dritten Haushalt auf der Insel.


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