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Hoch- und Niedrigwasser - Ostfriesische Inseln

Wer kennt das Voarentief, die Wichter Ee, die Otzumer Balje, oder das Spaniergat?? Die Begriffe klingen wie Phantasielandschaften, bezeichnen jedoch ganz reale und nahe Landschaftselemente. Die Rede ist von den Rinnen zwischen den Ostfriesischen Inseln. Sie sind die Nadelöhre im gesamten Tidegeschehen und verhindern mit ihren enormen Strömungen ein Zusammenwachsen der Inseln.

Die vielen kleinen Rinnsale und Priele im Watt verbinden sich zu immer größeren Prielen und diese vereinigen sich dann zu großen Baljen, die direkt oder über die Seegaten und Ees mit dem offenen Meer in Verbindung stehen. Steht man am Ost- oder Westende einer Insel, so scheint die Nachbarinsel zum Greifen nah; mit einer Tiefe von zehn oder sogar bis zu 30 Meter und Fließgeschwindigkeiten von bis zu einem Meter pro Sekunde stellen die Seegats aber ein schier unüberwindbares Hindernis dar. Kein Wunder, müssen doch die riesigen Wassermengen der trocken fallenden Watten zweimal täglich durch diese wenigen Abflüsse zwischen den Inseln hinaus in die Nordsee und zweimal täglich wieder zurück ins Watt. Allein das Norderneyer Seegat muss so viermal täglich ein Tidevolumen von 192 Millionen Kubikmeter Wasser bewältigen, die Accumer Ee zwischen Baltrum und Langeoog immerhin 175 Millionen Kubikmeter.

Zur Ruhe kommt das Wasser in den Ees, Gats und Baljen daher praktisch nie, bzw. nur für wenige Minuten. Man kann das sehr schön an den Bojen und Fahrwassertonnen sehen, die hier häufig verankert sind: Sind sie schräg nach Süden geneigt, dann läuft das Wasser auf, zeigen sie schräg nach Norden, dann läuft das Wasser ab. Wirklich senkrecht stehen die Tonnen nur für ganz kurze Zeit, zum Zeitpunkt des "Kenterns" der Tide.

Der Begriff Ee oder Ehe kommt übrigens von dem altfriesischen "Ea" bzw. dem französischem "eau", was beides "Wasser" bedeutet. Gat oder Gatt bezeichnet ursprünglich "Gasse" oder "schmaler Weg". Und Balje oder Balge stammt vermutlich vom germanischen Wort Balge/ Balg für Schlauch oder (Wasser)- Sack ab. Zahl, Größe und Lage der Seegats hängen von der bewegten Wassermenge ab. Die wiederum berechnet sich aus Tidenhub und der überspülten Wattfläche. Ganz grob kann man sagen, je größer die Wattfläche und damit die Wassermenge, desto mächtiger sind die Gatts und um so kleiner die Inseln.

Am Beispiel der Harlebucht im Bereich Esens / Wittmund lässt sich das gut nachvollziehen. Als man die Bucht ab dem 15. Jahrhundert schrittweise eindeichte, wurde die Wattfläche südlich von Spiekeroog und Wangerooge entsprechend kleiner. Damit nahm auch die Menge des Wassers ab, das durch das Seegat zwischen den beiden Inseln fließen musste. Nimmt im Seegat die Strömung ab, kann sich mehr Sand ablagern. Der wurde dann auch reichlich küstenparallel herangeführt und die Ostplate Spiekeroogs wuchs im Laufe der Zeit solange, bis das Seegat wieder eine angemessene Dimension erreicht hatte.

Für die Inselsicherheit stellen einige dieser Seegats eine latente Gefahr dar, da sie mit ihrer starken Strömung an den Westköpfen der Inseln knabbern. Massive Buhnenbauwerke an der Westseite von Borkum, Norderney, Baltrum oder Wangerooge sind die sichtbaren Zeichen dieses Kampfes der Menschen gegen die Wasserströmungen. Weil die Baljen und Gats so schön tief sind und ständig Wasser führen, werden sie von der Schifffahrt als Fahrwasser bevorzugt.

Hochwasser (Flut)  Niedrigwasser (Ebbe)
Hochwasser (Flut)                                           Niedrigwasser (Ebbe)

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