Die Insel Norderney

Norderney Flagge der Insel
53° 42' 26" N 7° 8' 49
Chronik einer Insel

 

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Norderney Kurier (Serie erschien vom 27.10.2017 - 23.11.2018)

Vertellsel des Insel-Autors Visser

Der Norderneyer Alfred Visser aus der Roonstraße war Mitbegründer und Vorsitzender des Heimatverein. Nach dem Zweiten Weltkrieg hat er viele kleine Verse und Gedichte in plattdeutscher Reimform in der Badezeitung geschrieben. Sie gaben alle den allgemeinen Tagesablauf der damaligen Zeitgeschichte wieder. Weil sie so wahr sind, habe ich die Verse ins Hochdeutsche übersetzt. Normalerweise geht das gar nicht, aber ich habe versucht, den Sinn seiner Gedanken wiederzugeben.

1). Die Sonne scheint doch! De Sünn skient doch!

Da kann man nie mit rechnen. Und manch einer hat sich verrechnet. Dass uns die Sonne wieder scheint! Der eine oder der andere macht gleich ein fröhliches Gesicht. Von dem Wetter sind wir alle abhängig. So ein bisschen Sonne kann uns alle bändigen. Da gibt es kein leises Jammern und Jaulen, dann hat niemand mehr was zu meckern. Alle gucken sich fröhlich an: Das hat so ein bisschen Sonnenschein dann getan!

2). Auch ein Vorschlag. Ok een Vörslag.

Sie gaben einen Namen und lassen es laufen, die Leute sollen darüber straucheln! Ich meine die Namen von den Kneipen, die hier so kamen von den Zugereisten. Paprika und Sansibar und Pinte, Pferdestall, Chez nous, Shaker, Nuckelpinne. Dass sie noch nicht heißen: Schafbock, Rattenloch, Krähennest und Ziegenbock! Mann, wenn ich eine Bar bekomme, das ist wahr, ich nenne meine Bar: "Ameisen-Bar"!

3). Ist alles verdreht. `t all verdreiht.

Bald ist die Badezeit wieder vorbei, dann kommt wieder eine schöne Zeit. Dann wird nicht geruttert und geballert. Dann wird gebaut und geklopft auf den Straßen, dann schaufeln sie wieder tiefe Löcher, so geht das dann einher. Es ist Wintertag, wir können es nicht vertragen, wenn’s laut ist, können wir uns verjagen. In der Badezeit kommt das gar nicht darauf an, dann wohnt hier Jan und alle Mann. Und sie bringen Geld: Mann, was ist das, Geld hat der eine und der andere im Schrank. Aber dass es auch mal anders kommen kann, wissen auch Jan und alle Mann!

4). Nichts mehr wert... Nix mähr wärt...

Spucknapf, Lehnstuhl und die alte Uhr, kaputte Teller und ein roter Unterrock, Suppentopf, Kommode und ein alter Mantel, ein zweischläfiges Bett mit Matratze drin. Alte Bank und Kinder Kaufmannsladen, ein Schrank mit alten Kleidern, wem die wohl gehört haben? Ich weiß Bescheid! Stehen hier an der Bordsteinkante von der Straße, alles fürs Abholen bereit. Ja, und ein junger Mann kam dort mit seinem alten Moped an, wollte von dem Geratter nichts mehr wissen. Das Gefährt sollte ihn nicht mehr ärgern! Stellte das Ding auf die Kante von der Straße - auch für die Müllabfuhr schön parat!

5). Schuss durch die Flügel. Skött dört Flögels.

War dick von Nebel, Luise fegte gerade ihre Straße, als da ein Taxi angefahren kam. Was hat das in unserer Straße zu tun? Luise zitterte am ganzen Leib, das Taxi hält vor ihrem Haus, Nummer neun, und in dem Taxi sitzt ihr Jakob und ist kreidebleich! Ja, Mutter, sagt er, mir fehlt nichts, ich habe bloß einen kleinen Schwips. Mann, Jakob, du kannst doch nicht stehen! Mutter, ich bin etwas flügellahm. Wie kannst du so von der Arbeit laufen? Mutter, nun hör mal auf zu sprechen, du bist und bleibst meine liebe Luise. Du darfst alles, bloß nicht wissen wie.Dann kam auch Kalli, unser Junge an: Mama, hat Papa einen Schuss durch die Flügel?

6). Keine Schuld. Keen Skuld.

Nun reißen sie bald unsere Straßen auf. Die Steine fegen sie beiseite, zu Pflastern haben sie nicht viel Zeit. Mann: Diesmal hat der Sturm keine Schuld! Denn: Diesmal hat die Post es so gewollt!

Heizer
Die Arbeit eines Heizers (240) gehörte zu den schwersten Berufen. Sei es auf dem Gaswerk, im Maschinenhaus der Kurverwaltung, im Seehospiz oder auf den Dampfschiffen der Reederei Frisia. Der Heizer musste eine kräftige Statur besitzen, um das Befüllen und das Entleeren der Öfen zu bewerkstelligen. Damals wurden die großen Maschinen mit Dampf betrieben.

Jann Ehmen Rass
Jann Ehmen Rass (239) hat sich auch für Ansichtskarten fotografieren lassen. Das Bild um 1900 zeigt den typischen Norderneyer Seefischer mit der Ausrüstung Südwester, Troyer, Sicherheitsleine, mit dicker Twill-Schurwoll-Hose und langschaftigen Seemannsstiefeln. Auch die Fangutensilien durften bei dem Foto nicht fehlen.

Vertellsel
Eines der Vertellsels (2.), die Alfred Visser geschrieben hat und die in der Norderneyer Badezeitung erschienen sind.

Kassen Eils (242, Dritter von links)
Kassen Eils (242, Dritter von links) hat um 1911 den Gemischtwarenladen von Dittrich Schmidt, Großvater von Jochen Pahl, gekauft. Eils war der Sohn des Fischers G. A. Eils aus der Kaiserstraße, seine Mutter war eine geborene Redell (heute Waterkant/de Boer). Kassen Eils hatte drei Söhne, von denen einer im Zweiten Weltkrieg gefallen ist, einer wurde Lotse. Der jüngste Sohn Cassen wurde Reeder und gründete 1952 mit der MS "Rudolf" seine Reederei, die die ersten Umrundungsfahrten der völlig zerstörten Hochseeinsel Helgoland anbot.

Wilhelm Rass
Wilhelm Rass (237) beherrschte das Morsealphabet und konnte mit einem Blinklicht morsen. Er war von Beruf Fischer und war in den Kriesgsjahren im Maschinenbetrieb des Marine-Artillerie-Depots tätig. Hier war er in der Scheinwerfer- Abteilung beschäftigt. Nach dem Krieg blieb er der DGzRS treu.

Eule (237)
Wilhelm Rass, Gartenstraße 4, war von Beruf Arbeiter. Rass war freiwilliges Mitglied bei der DGzRS. Auf dem Norderneyer Ruder-Rettungsboot "Fürst Bismarck" wurde er als Bugmann eingeteilt. Er hatte immer ein Fernglas mit Nachtsichtgläsern dabei, sodass er auch bei Dunkelheit und schlechtem Wetter seine Wahrnehmungen dem Vormann melden konnte. Seine Bootskollegen gaben ihn wegen seiner guten Nachtsicht den Beinamen.

Bartholomäus (238)
Johann Schiemann, Herrenpfad 19, war Arbeiter. Sein Schwiegervater Jann Ehmen Rass (Rumor, 239) gab ihm diesen Beinamen. Wahrscheinlich auf einer Familienfeier hatte Jann Ehmen Rass gesagt: "Alle meine Söhne haben dem Kaiser gedient, nur du mein Sohn, Bartholomäus, nicht." Somit hatte Schiemann den Beinamen weg. Gemeint war, dass Johann Schiemann mit zur Familie gehörte. Aber, dass er wie Bartholomäus, einer der Jünger Jesu, nicht ganz dazu gehörte. Die Frömmigkeit hatte damals eine große Bedeutung.

Rumor (239)
Jann Ehmen Rass, Herrenpfad 19, war Fischer. Rass war ein selbstbewusster Mann und konnte mitunter auch unruhig werden. Dann fing es bei ihm im Bauch an zu rumoren und er erzeugte kollernde und seltsame Geräusche. Seine Mitmenschen gaben ihm deshalb den Beinamen "Rumor".

Kieler (240)
Johann Ufen, Jann-Berghaus-Straße 66, war Arbeiter und Heizer auf dem Gaswerk. Die Familie Ufen hatte keine Kinder, aber Ufen hatte ein uneheliches Kind mit einer Nachbarin. Die Norderneyer gaben ihm daraufhin den Beinamen "Kieler", auf hochdeutsch "Keiler"

Kotzer (241)
Heiko Eugen, Strandstraße 12a, war Mittelschullehrer. Eugen war ein sehr strenger Lehrer und wenn seine Schüler ihm im Unterricht nicht folgten, sagte er: "Es ist zum Kotzen mit euch!" Somit bekam er seinen Beinamen "Kotzer".

Kassen Branntwien II (242)
Kassen Eils, Damenpfad 28,war Kolonialwarenhändler. Sein Geschäftshaus stand an der Ecke Damenpfad/Lüttji Damenpfad. Er verkaufte dänischen Kirschenbranntwein in Flaschen, an denen ein kleines Glas befestigt war. Das Getränk war auf der Insel einmalig und schmeckte sehr lecker. Eils war auch davon kein Kostverächter und so bekam er von den Norderneyern den Beinamen "Kassen Branntwien II" (Cassen Branntwien I = Cassen Rass, 75).


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Teil 5 - 24.11.2017
Teil 6 - 01.12.2017
Teil 7 - 08.12.2017
Teil 8 - 15.12.2017
Teil 9 - 29.12.2017
Teil 10 - 05.01.2018
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