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53° 42' 26" N 7° 8' 49 Flagge der Insel
Chronik einer Insel
Insel Norderney

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Teil 10

Norderney Kurier (Serie erschien vom 03.06.2016 - 24.02.2017)

14.000 Wandbetten im Landkreis - Norderney fällt ans Königreich Preußen

Das Leben der "einfachen Menschen" war vor 150 Jahren ungleich schwerer, härter und wenig komfortabel im Vergleich zu unserem Leben heute - allerdings sollte man immer bedenken, dass nur ein Teil der heutigen Erdbevölkerung diese idealen Bedingungen hat, wir also sehr privilegiert leben. Auch im 21. Jahrhundert ist es noch keineswegs selbstverständlich, sauberes Wasser zur Verfügung zu haben, eine medizinische Versorgung beanspruchen zu können - und in einer demokratischen Gesellschaft friedlich leben und arbeiten zu dürfen.

In den Häusern der Inselbevölkerung ging es noch lange sehr einfach zu, große Familien und beengte Wohnverhältnisse waren auch auf der Insel üblich. Platzsparend wurden hier in den Häusern also Wandbetten eingebaut.

Tatsächlich gab es bis Anfang der 70er-Jahre auch im Müllerhaus diese Wandbetten, auch Alkoven genannt. Allerdings wurden sie in unserer Familie schon im 20. Jahrhundert nicht mehr als Schlafgelegenheit genutzt, soweit es mir bekannt ist, sondern lediglich als Wandschrank.

Diese Alkoven waren in Ostfriesland noch bis ins 20. Jahrhundert weit verbreitet. Im Landkreis Aurich wurden 1929 noch 14.000 Alkoven gezählt, diese wurden teilweise noch bis in die 1950er-Jahre benutzt!

Ursprünglich - weil vor Kälte und Zugluft schützend - empfand man sie wohl als eine eigentlich privilegierte Form der Schlafgelegenheit. Nach dem Aufkommen freistehender Bettstellen waren sie später, eher im ländlichen Raum, für Knechte und Mägde zu finden.

Interessanterweise gerieten die Alkoven im letzten Drittel des 19. Jahrhunderts immer mehr in die Kritik von Medizinern, Hygienikern und Wohnungsreformern. Auch der Entdecker des Tuberkulose-Erregers und Begründer der mordernen Bakteriologie, Robert Koch (1843-1910), vermutete, dass die hohe Tuberkulose-Sterblichkeit in den Nordseeküstenregionen auf das damals noch sehr weit verbreitete Alkovenschlafen zurückzuführen sei (Quelle: Michael Schimek "Zwischen Anspruch und Wirklichkeit").

Im Norderneyer Fischerhaus-Museum ist ein solches Wandbett zu bestaunen. Ein Besuch dort zeigt viele weitere Utensilien des täglichen Lebens auf der Insel, die auf eine eindrucksvolle Weise das doch sehr einfache Alltagsleben der Insulaner im 19. Jahrhundert belegen. Ebenso ist hier das Norderneyer Bademuseum zu empfehlen. Sowohl die ständige Ausstellung hier als auch besondere Themen anhand von Wechsel Ausstellungen vermitteln den Besuchern eine Vorstellung der "guten, alten Zeit", die wohl tatsächlich recht anstrengend und auch unsicher war.

Die Beleuchtung in den langen nasskalten Wintermonaten wurde mit Kerzen oder Petroleumlampen, später mit Gaslicht betrieben - also auch in dieser Hinsicht wenig komfortabel. Das Trinkwasser wurde mit eigenen Pumpen aus dem Inselboden befördert, beziehungsweise wurde das Regenwasser aus den Dachrinnen in Zisternen geleitet.

Die Arbeit des Müllers war unglaublich hart. Und wer glaubt, das Müllerhandwerk wäre romantisch gewesen, der irrt. Krach und Staub, Arbeiten in schwindelerregenderHöhe und zu gnadenlosen Uhrzeiten prägten den Alltag eines Müllers. Stand der Wind günstig, musste gemahlen werden, und das notfalls Tag und Nacht.

Im Inneren der Mühle

Im Inneren der Mühle: ein Blick in die oberen "Etagen".

Um in den oberen Teil der Mühle zu kommen - auch "Selden Rüst" hat mehrere Etagen - gab es an den steilen Stiegen statt eines Handlaufs lediglich dicke Taue, an denen man Halt fand.

Mühle um 1900

Bild: Die Norderneyer Mühle um 1900.

Nur wenige Jahre nachdem Bau der Mühle entwickelte sich die allgemeine politische Lage auf eine sehr beunruhigende Art und Weise, was auch auf der Insel Nordeney sehr direkt zu spüren war: Im Konflikt zwischen dem Königreich Preußen mit dem Deutschen Bund (Staatenbund, gegründet auf dem Wiener Kongress) stimmte das Königreich Hannover in der Sitzung vom 14. Juni 1866 für den österreichischen Mobilmachungsantrag (Deutscher Krieg). Auf das nun folgende preußische Ultimatum vom 15. Juni 1866 reagierte man in Hannover mit Ablehnung.

Daraufhin überschritten die gut vorbereiteten Preußen die hannoversche Grenze und rückten am 17. Juni 1866 in der Hauptstadt Hannover ein.

Am 27. Juni 1866 kam es zwischen der hannoverschen Armee und den preußischen Truppen zur blutigen Schlacht bei Langensalza. Zwar mussten sich hier die preußischen Truppen - weil sie zahlenmäßig unterlegen waren - zurückziehen, dennoch war die Gesamtlage so ungünstig, dass dem hannoverschen König Georg V. am 29. Juni 1866 nur die Kapitulation übrig blieb. Preußen annektierte das Land und der letzte Welfen-König Georg V. ging ins Exil nach Wien. Durch den "Frieden von Prag" am 23. August 1866 fiel Hannover - und somit auch Ostfriesland und Norderney - an das Königreich Preußen. Georg V. protestierte vergebens, am 3. Oktober 1866 erfolgte die Annexion Hannovers und die preußische Verfassung trat in Kraft.

Wie sich dieses in schlichten Sätzen verpackte Ereignis für Norderney "anfühlte", ist zu lesen im Buch "Norderney - wie es früher war" von Manfred Bätje. Im Vorwort heißt es da: "Preußische Marinesoldaten besetzten nach dem Deutschen Krieg (1866) die hannoversche Sommerresidenz. Sie verhafteten den Königlichen Badekommissar und brachten ihn auf das vor der Insel ankernnde Kanonenboot 'Blitz'. Am darauf folgenden Tag landeten Soldaten am Damenbadestrand und hissten auf der Marienhöhe die schwarz-weiße Flagge."

Norderney gehörte ab jetzt zum Königreich Preußen.

Postkarte aus den 20er-Jahren

Postkarte aus den 20er-Jahren (Stadtarchiv Norderney): Die Mühle hat Nachbarn bekommen. Im Westen wurde ein Doppelhaus errichtet, während der Osten und Norden noch unbebaut sind.

Fischerhaus an der Osterstraße

Fischerhaus an der Osterstraße.


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