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53° 42' 26" N 7° 8' 49 Flagge der Insel
Chronik einer Insel
Insel Norderney

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Teil 26

Norderney Kurier (Serie erschien vom 27.10.2017 - 09.11.2018)

Schöne und zufriedene Kinderzeit

Ein Vertelsel von Helmuth Hoffmann über das Jahr 1928 stand im Januar 1978 in der Norderneyer Badezeitung. 90 Jahre sind eine lange Zeit, wenn man sie von vorn sieht. 90 Jahre sind ein kurzer Spann, sieht man sie von achtern an! 1978 waren es 50 Jahre und 2018 sind es 90 Jahre Vergangenheit.

Helmuth Hoffmann schreibt 1978: In unserer Kinderzeit war Krieg und Inflation - der Geldwert zählte zuletzt Billionen! Auf der Promenade war ein Gitter aufgestellt, um eine Invasion der Engländer zu verhindern. Was war es damals doch für eine verrückte Welt! Mit dem Schafhirten Aggen konnten wir zur Schule gehen, da gab es jeden Morgen einen Löffel Lebertran (s. Foto mit der Skulptur). Im Winter konnte man Schlittschuhlaufen, tagsüber wir Kinder und abends die Großen. In der Schule hatten wir öfter frei wegen Kohlemangels für die Heizung. Die Schulzeit war auch bald vorbei, und wir bekamen sogar noch gute Zeugnisse. Die Lehrer hatten es wieder geschafft, wohlerzogene Menschen aus uns zu machen. Der erste Teil unseres jungen Lebens lag nun hinter uns.

Es begann die Lehrzeit - was für ein Unterschied für uns! Auf der anderen Seite von "Süderdün" war das Frisia-Büro. Hier stellte sich auch einer von uns als Kaufmannslehrling vor. Direktor van Eschen hatte das Sagen. Johann Cramer als Bürovorsteher aus der Osterstraße und Carl Carls als Büro-Kaufmann gehörten schon mit zum Inventar. Am Hafen stand nun Spedi Fischer bereit. Auf Rollwagen mit den schönen Pferden davor gespannt, brachte die Spedition die Fracht und die Koffer vor die Haustür des Empfängers. Die Linienwagen (Omnibusse) von Biermann, Eilts, Carls und Tjaden fuhren die Badegäste vom Hafen und zum Hafen hin. Die Gäste und Norderneyer wurden direkt von der Pension oder der Haustür abgeholt oder zum Quartier gebracht. Die etwas Gutbetuchten nahmen den Landauer.

Am Hafen war zu jeder Zeit viel Verkehr. Da lagen die Schaluppen, die Frachtschiffe, die Lustfahrboote und mehr. Auch eine eiserne Brücke war vorhanden. Hier machten die "Bremer Dampfer" fest. Zwei Straßen führten zum Hafen. Eine oben von der Wartehalle in Richtung Flugplatzkasernen. Eine unten, die führte an einem großen Holzzaun vorbei. Dahinter lag der Rennstall. Zweimal im Jahr gab es hier Pferdeund Hunderennen. Dazu kamen die Badegäste in Hunderten vom Festland. Rund um den Rennplatz hatte man einen Deich aus Schlick aufgetragen.

Auch die Straßenschleuse ist noch bekannt. Das Regenwasser im Schlot konnte beim offenen Schleusentor abfließen und wenn Hochwasser über Normalnull angesagt war, wurde das Tor geschlossen. Im Sommer war was los auf Norderney. Badegäste kamen von weit her und fühlten sich frei. Ging dann im Herbst die Badezeit zu Ende, hatten die Insulaner wieder ihre Ruhe. Wenn auf der Georgshöhe der "Störmball" hochgezogen wurde, war es an der Zeit, die Holzschotten vor den Fenstern der Häuser an der Kaiserstraße anzubringen. Wenn Watt und Meer voll Eis waren, musste die "Frisia III" um jeden Preis die Verbindung zum Festland halten.

Zum Schluss schreibt Hoffmann, dass er gern an seine schöne und zufriedene Kinderzeit auf der Insel zurückdenkt. Holt Jo toi (Bleibt gesund)!

Skulptur

Der ehemalige Stadtbaumeister Jann Saathoff hatte um 2000 die Idee, eine Bronze-Statue eines Schaapherders" an der Schulhofecke Jann-Berghaus-/Luciusstraße aufzustellen. Vorbild waren die Seehunde in der Poststraße. Ein Künstler griff die Idee auf und schuf ein Modell des Schafhirten. Es sollte eine Erinnerung an den Treffpunkt sein, von dem aus die Schafhirten mit ihren aus dem Stall eintreffenden Schafen auf dem Schafsweg bis zu den Weideflächen in die Dünen liefen. Die Skulptur sollte 25.500 DM kosten, davon sollten 5.100 DM aus Eigenmitteln und der Rest aus Spenden kommen. Die Politiker lehnten die Skulptur als künstlerisch zu wenig wertvoll ab.

Helgoland-Anleger

Diese Landungsbrücke wurde für die großen Dampfer des "Norddeutschen Lloyd" gebaut. Diese hatten einen größeren Tiefgang als die üblichen Schiffe und fuhren die Route Helgoland - Bremerhaven. Der Zugang über den Steg zu den Schiffen erfolgte von der südlichen Seite der Wartehalle. Bei den Norderneyern hieß der Steg "Helgoland-Anleger".


Notgeld

In der Inflationszeit von 1918 bis 1923 wurde ein Notgeld gedruckt, das von der 1924 eingeführten Rentenmark abgelöst wurde. Der abgebildete Geldschein muss auf der Insel im Umlauf gebracht worden sein. Er stammt aus dem Archiv von Hans-Hermann Kramer.

Luciusstraße 4

In der linken Haushälfte in der Luciusstraße 4 war der Wohnsitz der Familie Rass. Jonny und Onno (175) waren sportliche Jungen. Im Sommer liefen sie oft im Handstand das S-Profil der Strandpromenade auf und ab. Dafür bekamen sie von den Badegästen ein Trinkgeld, welches sie ihrer Mutter gaben und damit etwas zum Unterhalt der Familie beitrugen.

Elimar Weber

Elimar Weber (176) hatte einen Friseurladen mit Pensionshaus in der Adolfsreihe 1 (s. Bild rechts hinter dem Landauer). Weber war ein gepflegter Mann, der jeden Morgen von seiner Frau einen gestärkten Stehkragen bekam. Dazu trug er eine Fliege, die zu seinem Markenzeichen wurde.

Landauer

Das Bild zeigt Gerhard Wedermann (177) als Kutscher in den 1950er-Jahren auf dem Landauer seines Vaters an der Kreuzung Bülowallee/Adolfsreihe. Der Pferdestall der Wedermanns befand sich seitlich des Deutschen Hauses von der Gartenstraße aus. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde der Stall in den alten Lokschuppen der Inselbahn an der Hafenstraße verlegt. Hier wurde dann die erste Werkstatt für Lkw Reparaturen eingerichtet. Wedermann war leidenschaftlicher Kraftfahrer. Nach seiner Pensionierung fuhr er jeden Nachmittag mit seiner Frau in einem VW Bulli zum Teetrinken an den Leuchtturm.

Hermann Rass

Hermann Rass (173) hat in der Geschäftsstelle des Konsums in der Luciusstraße bei Heinrich Raabe den Beruf eines Lagerleiters erlernt. Später übernahm er die Lagerleitung in der Zentralgeschäftsstelle Jann-Berghaus-/Kampstraße.

Hermann Kerli (173)
Hermann Rass, Maibachstraße 7, war Filialleiter und Lagerleiter im Konsum. Rass war der einzige Sohn des Tischlers Georg Rass. Seine Mutter nannte ihn "mein Kerli". Er hatte sehr welliges Haar und war ein lieber Junge.Später im Konsum, in dem er auch Kaufmann gelernt hatte, wurde er von seinen Kollegen anerkennend und liebevoll "Hermann Kerli" genannt.

Hochwürden (174)
Johannes (Hans) Bischoff, Damenpfad 4, später Birkenweg 7, war von Beruf Klempner und Installateur. Bischoff war von beeindruckender Statur und bestimmend. Seine Arbeitskollegen gaben ihm den Beinamen "Hochwürden".

Aper Närs (175)
Jonny und Onno Rass, Söhne von Jakob Rass (Api Närs, 86), waren noch in der Lehre (Maler und Tischler), als beide diesen Beinamen - in abgeänderter Form des Vaters-erhielten. Als Kinder trugen sie als Unterwäsche eine Hemdhose, von den Norderneyern "Hansmann" (Strampelhose) genannt. Diese hatte am Hinterteil einen offenen Eingriff, der mit einer Stoffklappe versehen war, die mit sechs Knöpfen geschlossen wurde. Da die Jungen morgens nach dem Aufstehen mit offener Klappe herumliefen,wurden sie "Aper Närs" (offener Hosenhinterteil) genannt.

Himmelfohrttohn (176)
Elimar Weber,Adolfsreihe 1, war Friseurmeister.Weber war von großer Statur, hatte sehr große Füße und trug orthopädische Schuhe. Diese waren im vorderen Bereich etwas nach oben ausgearbeitet. Da er sehr bekannt und beliebt auf der Insel war und sehr viele Norderneyer sich zu der damaligen Zeit jeden Morgen bei ihm rasieren ließen, gaben sie ihm den Beinamen "Himmelfohrttohn" auf Hochdeutsch: Himmelfahrtzeh.

Harm Düllwutel (177)
Gerhard Wedermann, Jann-Berghaus-Straße 18, später Marienstraße 20, war Fuhrmann. Nach dem Zweiten Weltkrieg begann langsam die Motorisierung der Fuhrgeschäfte. Um 1955 übernahm er den Betrieb seines Vaters Bernhard. Wedermann baute sich ein neues Fuhrgeschäft mit einer großen Lagerhalle an der Hafenstraße auf und stellte den Betrieb auf schwere Lkw um. Auch betrieb er gleichzeitig einen Schrotthandel. Die neuen Aufgaben führten bei ihm dazu, dass er im Umgang mit seinen Mitarbeitern sehr dominant sein konnte. Sie nahmen es ihm nicht übel, gaben ihm aber dafür den Beinamen "Harm (Hermann) Düllwutel (Tollwut)". Seine Mitarbeiter waren viele Jahre bei ihm beschäftigt und es herrschte ein gutes Arbeitsklima.


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